3 Tage auf dem Weg zur Zugspitze – Deutschlands höchsten Berg

Start in Grainau – Ortsteil Hammersbach

Eines Morgens 11.00 Uhr im Zugspitzdorf Grainau. Am Parkplatz des Ortsteiles Hammersbach treffe ich mich mit meinen Wanderfreunden. Gemeinsam wollen wir auf die Zugspitze wandern. Wir schultern die Rucksäcke, die mit allem Nötigen und manch Unnötigem vollgestopft sind und laufen los. 
Aufbruch in Hammersbach  zur Zugspitzwanderung
Etwa eine Stunde später liefert uns die Höllentaleingangshütte mit duftendem Kaffee den Grund zur ersten Rast, bevor wir uns in die Höllentalklamm wagen.

Durch die Höllentalklamm

Diese Klamm ist herrlich wild und abenteuerlich. Zwischen den Felswänden ist die Hitze schnell vergessen, Spritzwasser erfrischt uns zusätzlich. Wer an kühleren Tagen ins Höllental kommt, sollte eine Regenjacke anziehen oder wenigstens Wechselsachen dabei haben, denn es spritzt ordentlich.
Steinige, mühsam befestigte Pfade, hölzerne Stufen und elektrisch beleuchtete Tunnel ermöglichen den Weg durch die gewaltige Klamm. 

Unermüdlich stürzen uns die Wassermassen entgegen, Bäche ergießen sich aus der
löchrigen Felswand in den ohnehin schon tosenden Hammersbach. Zischend umspült
das Wasser gewaltige Felsbrocken, sammelt sich gurgelnd in Gumpen und rauscht
dann weiter in die Tiefe. 

Vom Höllental übers Hupfleitenjoch zum Kreuzeckhaus

Eben noch verschluckte der Lärm unsere begeisterten Rufe,
doch plötzlich ist Ruhe, die Schlucht weitet sich zum Höllental. Fasziniert
bleibe ich immer wieder stehen lege den Kopf weit in den Nacken und staune wie
links und rechts die Berge scheinbar den Himmel berühren. So essen die anderen
bereits ihren Kuchen vor der Höllentalangerhütte, als ich dort endlich ankomme.

Von hier führt der direkte Weg zur Zugspitze über den Hölltalferner, teilweise über Klettersteige, Stahlstifte (das Brett)  und Leitern – nichts für uns. Statt dessen haben wir einen landschaftlich tollen Umweg von geplant. Hinter der Hütte wenden wir uns also gen Osten und folgen dem Wegweiser zum Hupfleitenjoch und Kreuzeck. 
Blick von oben auf die Knappenhäuser

Wer nach oben schaut, kann bald schon die schmucken Knappenhäuser am
Weg erkennen, die einen aussichtsreichen Platz am Hang haben.

Schmal und steil schlängelt sich der steinige Weg am Hang
entlang, überquert kleine Bäche und Gräben. Ich bleibe möglichst nah am Berg,
vermeide den Blick in den Abgrund und nutze an kniffligen Stellen dankbar die
Drahtseilversicherung.

Dann wieder windet sich der Pfad auf bewachsenem Hang im
Zickzack aufwärts, während ich noch nach links gehe, läuft über meinem Kopf
jemand nach rechts. Dann wechseln wir beide die Richtung, eine gefühlte Stunde
lang geht das so. Erschöpft kommen wir am Joch an, die Kalorien des
Schokoladenkuchens aus der Höllentalangerhütte dürften restlos verbrannt sein.
Einige bringen noch die Kraft auf um zum Schwarzenkopf zu
wandern, wir anderen freuen uns über die lange Rast in 1709 Metern Höhe.

Auf der Kreuzeckalm bietet das Kreuzeckhaus ein Nachtlager

Nun ist die Tagesetappe fast geschafft, nach dem Joch geht es bergab wo im Kreuzeckhaus das Abendessen und Schlafplätze im Matratzenlager auf uns warten.

Am nächsten Morgen – absteigen ins Reintal

Nach dem typischen Hüttenfrühstück geht es weiter. Die
schmerzenden Muskeln erholen sich am besten beim Gehen, die Füße haben sich an
die Wanderschuhe gewöhnt genau wie der Rücken an den prallen Rucksack. Zunächst
gehen wir lange bergab, ins Reintal hinunter. Viele Kehren und lockeres Gestein
fordern die ganze Aufmerksamkeit, ab und zu bleibe ich stehen um mich seufzend
umzuschauen. 
Nach einem drahtseilgesicherten Abschnitt erreichen wir bei der
Bockhütte, den Talgrund und damit den Wanderweg zur Reintalangerhütte, der
direkt aus Garmisch-Partenkirchen kommt. Von jetzt an folgen wir diesem,
klassischen, Weg in Richtung Zugspitze.

Blaue Gumpe im Reintal

Dieses Bild zeigt die Blaue Gumpe im Reintal, die bei einem
gewaltigen Felssturz entstand. Es geschah im Jahr 1991, etwa 5000 Kubikmeter
Gestein stürzte auf die Partnach. Die Felstrümmer wirkten wie eine natürliche
Staumauer hinter der sich ein malerischer Gebirgssee bildete.

Wenige Wochen nachdem dieses Foto entstand, verschwand die
Blaue Gumpe wieder. Sie fiel dem großen Unwetter zum Opfer, dass im August 2005
über den Alpen niederging und auch über der Zugspitzregion wütete.

Rast an der Reintalangerhütte

Blauer Himmel, Sonne brennt, in der Reintalangerhütte ist
grad Mittagspause. Ich suche mir einen gemütlichen Sitz-Stein an der Partnach,
ziehe Schuhe und Strümpfe aus und halte die Füße ins Wasser.

An der Partnach vor der Reintalangerhütte
Was für ein
Klischee: Hier unten die saftig grünen Wiesen, Schatten spendende Bäume, auf der
Wasseroberfläche tanzen Sonnenstrahlen, oben kahle, gewaltige Felswände,
stellenweise glitzert noch Schnee, und alles wird überspannt vom himmelblauen
Firmament. Hier könnt ich bleiben, doch auf uns wartet der Aufstieg zur
Knorrhütte und das nächste Nachtlager.

Durch das Brunntal und hinauf zur Knorrhütte

All die Höhenmeter, die wir am vormittag nach unten gingen,
müssen wir nun wieder rauf. Am Anfang säumen noch Blumen und Gras den
Wanderweg, der nun das Brunntal durchquert über eine grüne Ebene führt und sich
am Talschluss teilt. Nach links führt der Felsensteig, er soll leichter sein,
wir wählen trotzdem den rechten Weg.
Bäume bleiben zurück, die Latschenkiefern werden immer
kümmerlicher, noch blüht der Enzian zwischen den Gesteinsbrocken. Dann haben
wir nur noch schroffes Gestein unter den Füßen, umso mehr freuen wir uns über
die sensationelle Aussicht. Plötzlich wird der Himmel duster, Donner ist auch
schon zu hören. So schnell es geht, wollen wir das ansteigende Geröllfeld
überqueren, hasten die, in vielen Kehren angelegte Serpentine entlang und
erreichen zusammen mit den ersten Regentropfen die Knorrhütte.
Gut das wir vorbestellt haben, alle Matratzen und Notlager
der Knorrhütte sind belegt. Dementsprechend eng und laut ist es im Gastraum,
während sich draußen ein kräftiges Gewitter entlädt. Hoffentlich haben alle
Wanderer einen Unterschlupf gefunden. Wir schwärmen mit einer Gruppe, die von
Ehrwald aus heraufkam, um die Wette. Sie sind von ihrer Route begeistert, doch
ich glaube es gibt keinen schöneren Weg, als den, den wir grad gegangen sind.

2051 Meter hoch “hängt” die Knorrhütte am Fels
Die Knorrhütte befindet sich unterhalb des Brunntalkopfes, die
Postadresse lautet:
Zugspitzplatt 1
82475 Zugspitze
In der urigen Schutzhütte gibt es 80 Matratzenlager und 28
Zimmerlager, sowie einige Notplätze.

Über das Zugspitzplatt bis Sonnalpin


Das große Frühstück in der Knorrhütte ist karg, darauf sind
wir eingestellt und werten es mit mitgebrachten Vorräten auf. Dadurch wird der
Rucksack wesentlich leichter. Im Gänsemarsch schnaufen wir den steinigen Pfad
zum Zugspitzplatt hinauf, schön dass eine langsame Gruppe vor uns geht. Dabei
kann ich die Ungeduld der Nachkommenden spüren, die jede noch so kleine  Chance zum Überholen nutzen. 

Oberhalb der Knorrhütte

Schritt für Schritt kämpfe ich mich hinauf, langsam finden
die Füße wieder ihren Rhythmus und die Hütte unter uns wird immer kleiner.

 Wir kommen gut voran,
erkennen in der Ferne die Gebäude auf der Zugspitze.

Endlich tauchen vor uns
die Station der Gletscherbahn und das Gletscherrestaurant Sonnalpin auf.

Wir
befinden uns jetzt 2600 Meter hoch und werden die restlichen Höhenmeter bis zum
Gipfel mit der Bahn überwinden. Schade, aber die Bergflanke ist von Eis und
Schnee bedeckt und für Wanderer gesperrt.

Erst bei einer späteren Zugspitzwanderung werden wir diesen
Weg zum Wettersteingrat hinauf gehen können. Wir werden über Geröll bergan
rutschen, uns am Drahtseil festhaltend schmale Wegstellen meistern und in
schwindelerregende Tiefen blicken.
Da wir heute die Bahn nehmen müssen, können wir noch Zeit
auf dem Platt verbringen, trinken auf der Sonnenterrasse einen Kaffee und
besuchen Deutschlands höchst gelegene Kirche Maria Heimsuchung.

Zugspitzkirche Maria Heimsuchung

Der Weg zum Gipfelkreuz ist vereist

Dann fahren wir mit der Bahn hinauf auf den überbauten
Zugspitzgipfel und bahnen uns den Weg durch die Menge der Touristen um zum
Gipfelkreuz zu gelangen. Das vergoldete Kreuz ist auf dem Ostgipfel angebracht,
der über einen schmalen Grat erreichbar wäre. Doch auch dieser Übergang ist
vereist, wir müssen uns mit einem Ersatz-Gipfelfoto begnügen.

Bei unserer nächsten Zugspitztour werden wir das Gipfelkreuz
dann auch berühren. Auch dann wird der Grat verschneit, aber gangbar sein. Dann
werde ich lange zögernd an der kleinen Tür stehen, bis ich meine Höhenangst
wieder einmal überwinde und die paar Schritte bis an den gegenüberliegenden
Fels gehe.

Doch heute soll es nicht sein, wir betrachten noch eine
Weile dieses unvergessliche Panorama bis es unter dichten Gewitterwolken
verschwindet. Schnell sind alle Plätze im Bergrestaurant besetzt, denn wenn es
auf der Zugspitze blitzt und donnert, möchte niemand im Freien stehen.

Unsere Wanderung geht zu Ende, nach dem Gewitter bringt uns
die Gondel der Zugspitzbahn zum Eibsee hinunter. Das ist für mich der
unangenehme Teil dieser Tour, ich kauere mich ängstlich auf den Boden und
hoffe, dass wir bald und sicher unten ankommen.

3 Replies to “3 Tage auf dem Weg zur Zugspitze – Deutschlands höchsten Berg”

  1. "Dann fahren wir mit der Bahn hinauf auf den überbauten Zugspitzgipfel und bahnen uns den Weg durch die Menge der Touristen um zum Gipfelkreuz zu gelangen."

    Ihr seids mit der Bahn hochgefahren und folglich ebenfalls touristen

  2. Danke für den schönen Artikel.

    Interessante Idee, erst einmal um die Zugspitze herumzulaufen, um dann hinaufzusteigen – gefällt mir 🙂

  3. Stimmt, Anonymous, wir waren auch Touristen und ich hab nichts gegen Touristen ;), hätte vielleicht das Wörtchen "anderen" noch einfügen sollen.

    Florian, ja der Weg ist das Ziel, wir wollten unbedingt durchs Höllental wandern, aber für den Weg übers Brett sind wir nicht mutig genug. Deshalb haben wir diesen schönen Umweg gewählt 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.