Ausflug an die Unstrut- Nebra früher und heute

Für die Osterfeiertage hatten wir Zimmer in der
Jugendherberge Zur Himmelsscheibe von Nebra gebucht. Wo sich heute Feriengäste
erholen, wohnten vor 15.000 Jahren Eiszeitjäger. Archäologen gruben die Reste
des eiszeitlichen Wohnplatzes aus und fanden dabei auch Kunstobjekte, darunter
mehrere Frauenstatuetten. Diese „Venus-Figurinen“ von Nebra sind, genau wie die
Himmelsscheibe, im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu bewundern.

Wo einst die Burg stand, lockt heute ein Freibad.

Jener Bergvorsprung war auch Standort der ersten Nebraer
Burg, der Altenburg. Davon ist jedoch nichts mehr erhalten, statt dessen lockt
heute an dieser Stelle ein schönes Freibad. Mit seinen Liegewiesen und
Spielflächen zieht das Terrassenschwimmbad Nebra im Sommer Badegäste aus der
ganzen Umgebung an. Zusätzlich zu den Erlebnis- und Planschbecken bietet das
Bad ein wettkampftaugliches Sportschwimmbecken. Die Riesenrutsche soll 92,5
Meter lang sein, für Nichtschwimmer gibt es auch eine kleinere Rutsche.
Luftsprudel und Strömungskanal machen den Badespaß komplett.

Terrassenschwimbad in Nebra mit Riesenrutsche

Schloss und Schlossruine in der Oberstadt

Unser Quartier bot den üblichen Standard einer
Jugendherberge und einen kurzen Weg in die Altstadt. Dazu kam ein herrlicher
Ausblick über das Unstruttal und zum Schloss Vitzenburg. Geocaching und
Stadtbesichtigung lassen sich auch in Nebra gut verbinden. Wir spazierten
zunächst in die Oberstadt, zu Schloss und Schlossruine und spähten nach dem
dort, gut, versteckten Cache. Es dauerte ein wenig, bis wir ihn enttarnt
hatten, doch wir sahen später auch andere Cacher ziemlich lange suchen.
Irgendwann wurde die Altenburg aufgegeben und die Schenken
von Nebra errichteten südlich davon, auf einem Sandsteinfelsen, die Neue Burg.
Diese wurde mehrfach umgebaut, schließlich abgerissen und mit einem Schlösschen
überbaut. Dessen Wohnturm und andere Reste sind als Ruine noch erkennbar und
geben gute Fotomotive ab. Leider konnten wir nicht in die Ruine hinein, sie ist
aus sicherheitshalber von einem Zaun umgeben. Erst 1874 ließ der Kammerherr von
Helldorf das heutige Schloss erbauen, indem jetzt ein Schlosshotel
untergebracht ist.
Die Schlossruine Nebra neben dem Schlosshotel
 “Zur Himmelscheibe”

Heimatmuseum mit Hedwig Courts-Mahler-Zimmer

Übrigens, Nebra ist der Geburtsort der Schriftstellerin
Hedwig Courths-Mahler, die mit ihren Liebesromanen berühmt und reich wurde. Ihr
ist ein Ausstellungsraum im Heimatmuseum gewidmet. In den anderen Räumen des
Museums gibt es Einblicke in die Nebraer Geschichte, hundert Jahre altes
Spielzeug, entzückende Weißwäsche und vieles mehr zu sehen.

Sehenswertes in Nebra

Ein Relief am Portal der St. Georgkirche
von Nebra weist auf die Sage vom
Ritter Georg hin.
Obwohl der Kirchturm nicht sehr hoch ist, überragt er die
meisten Dächer der Stadt, denn die Kirche steht weit oben. Die Orgel der Kirche
stammt aus dem Jahr 1671 und funktioniert noch immer.
Rechts an der Stadtmauer
steht das älteste Haus Nebras
Das Pfarrtor – die kleine Pforte befindet sich an der
Stadtmauer der Oberstadt.
Gänseliesel oder Buttenweib? Brunnen
an der “Pfütze” in Nebra
Die freizügig gekleidete Dame am Brunnen „Zur Pfütze“ habe ich gegoogelt und zwei mögliche Namen gefunden. Manche nennen sie Gänseliesel, andere sagen
sie erinnert an die Nebraer Buttenweiber:

Bevor es Wasserleitungen gab, schleppten die Hausfrauen das
Wasser in, Butten genannten, Holzbehälter aus der Unstrut in die Oberstadt.
Später gab es unterhalb der Stadt einen Brunnen, die Buttenweiber trugen das
Wasser den Wasserweg hinauf und ruhten sich oberhalb aus. Wenn sie nun
rasteten, schwappte Wasser über und bildete Pfützen, so wird diese Stelle bis
heute „Zur Pfütze“ genannt. Ab 1815 floss das Wasser dann über eine
Wasserleitung bis in ein Holzfass am Marktplatz und machte den Alltag der
Frauen etwas leichter. 

Über die Unstrutbrücke zum Bahnhof der Burgenlandbahn

Bahnhof Nebra mit ehemaligem
Wasserturm

Ein weiterer Cache ist am Bahnhof versteckt, der am
gegenüberliegenden Ufer der Unstrut liegt. Hier halten die Züge der
Burgenlandbahn, die wir bis zur Jugendherberge hinauf hören konnten. Wer zum
Fundort der Himmelsscheibe von Nebra möchte, kann bis zum Haltepunkt Wangen die Bahn
nehmen. 
Weithin sichtbar ist der ehemalige Wasserturm, er wird heute von
Fledermäusen und Vögeln bewohnt.
Zwei solche Löwen aus Sandstein
bewachen den Übergang über die
Unstrut bei Nebra
Lange überspannte eine hölzerne Brücke mit Brückenhäuschen
an dieser Stelle die Unstrut. Wir überquerten den Fluss über eine massive
Brücke, Bauzeit Ende 19. Jahrhundert, unter den wachsamen Augen der
sandsteinernen Löwen.

Radfahren und Wasserwandern

Als Kleinstadt direkt an der Unstrut ist Nebra auch Rast-
oder Etappenziel vieler Kanufahrer. Zu Ostern war dieser Wasserwanderer-Rastplatz
noch leer, aber sobald es wärmer wird, werden hier wieder zahlreiche Kanuten
übernachten. Die Treppe am Bootsanleger macht das Ein- und Aussteigen bequem
und wer kein eigenes Paddelboot besitzt, leiht sich ein Kanu beim Bootsverleih
Nebra.

Doch auch Radfahrer, die den Unstrutradweg entlang fahren,
machen hier gern eine Pause. Wir liefen noch ein Stück auf dem Radweg, bis wir
abenteuerlichere Wege gingen. Zwischen Gestrüpp und Bäumen entdeckten die Kinder
schmale Pfade, die mehr Spaß machen als der Asphaltweg. 
So stromerten wir
langsam den Hang zur Jugendherberge hinauf, ein Cache liegt hier auch. Er ist,
so hörten wir, knifflig versteckt und soll in dem Gelände gar nicht so leicht
zu heben sein. Deshalb suchten wir nicht im Rudel. Das Versteck war ja nicht
weit von unserer Unterkunft entfernt, so gingen wir später einzeln auf die
Suche. 

Ausflugsziel Vitzenburg

Blick von der Altenburg Nebra auf
Schloss Vitzenburg

Vom Parkplatz der Herberge aus hatten wir einen verlockenden
Blick auf die Vitzenburg. Sie scheint nur einen Steinwurf weit entfernt zu
sein, doch die Unstrut versperrt den direkten Weg. Also fuhren wir mit dem Auto
in den kleinen Ort gegenüber, denn wir wollen das Schloss, in dem Szenen des
Films Bibi und Tina gedreht wurden, gern anschauen. 

Im Schlosshof der Vitzenburg

An der verschlossenen
Pforte hing ein Schildchen mit der Telefonnummer des Verwalters(?), der uns
aufschließen könnte. Wir riefen an, für einen kleinen Obolus ließ er uns auf
das Gelände, das für Bibi Blocksberg zur Burg Falkenstein wurde.

Zerfällt Schloss Vitzenburg langsam, hoch oben über
dem Unstruttal?

Die Vitzenburg blickt auf eine sehr lange, wechselvolle
Geschichte zurück und ist sichtlich heruntergekommen. Längst ist sie kein
bewohnter Adelsitz mehr, war zwischenzeitlich Ausbildungsstätte und
Psychiatrie, für drei Wochen Filmkulisse und wartet nun auf Erlösung. Im Ort Vitzenburg
gibt es auch einen Hochseilklettergarten, für den unsere Kinder jedoch zu klein
waren (klettern ab 12 Jahre). Glücklicherweise haben sie die Gerüste nicht
entdeckt.

Über die Vitzenburg habe ich im Blog Reportagereisen einen
unterhaltsamen Beitrag gefunden. Besser könnte ich es eh nicht schreiben,
deshalb verlinke ich auf diesen Artikel. 

 Geocaching am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra

Nun waren wir schon einmal in Nebra, also wollten wir auch
an den Fundort der Himmelsscheibe und zur Arche Nebra. Wir könnten eine Station
mit der Burgenlandbahn bis Wangen fahren und dann mit dem Linienbus bis zum
Fundort am Mittelberg. Allerdings mussten wir an diesem Tag eh wieder abreisen,
deshalb packten wir das Gepäck in die Autos und fuhren bis zum Parkplatz
unterhalb der Arche. Eigentlich ist dieser gebührenpflichtig, doch die
Schranken waren offen und wir konnten kostenlos parken.
Dreihundert Meter bergauf, dann war das Ausstellungsgebäude
auch schon erreicht. Günstige Familienkarten machen den Besuch erschwinglich,
der samt Filmvorführung etwa eineinhalb Stunden dauerte.
Arche Nebra im Ortsteil Wangen
Fast genau an der Arche fanden wir den ersten Cache, direkt
vor dem Gebäude hält der Linienbus des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Gerade
rechtzeitig erreichten wir den letzten Bus vor der Mittagspause und fuhren für
1 Euro pro Person zum Mittelberg, wo vor einigen Jahren die Himmelsscheibe
gefunden wurde. An der genauen Stelle spiegelt heute das „Himmelsauge“ den Himmel.
Das Himmelsauge auf dem Mittelsberg bei Nebra ist eine
gewölbte Metallplatte am Fundort der Himmelsscheibe.
Über das Plateau waren ja noch mehr Artefakte verteilt, die
einzelnen Fundstellen sind mit Betonplatten abgedeckt. Außerdem gibt es mehrere
Betonstreifen, die den Sonnenstand zur Sommer- und Wintersonnenwende
veranschaulichen sollen. 
Um 10° geneigt, steht der geteilte Aussichtsturm
auf dem Mittelberg bei Nebra. Er wirkt wie der
Zeiger einer großen Sonnenuhr
Allerdings wollen die Kinder erst einmal auf den Turm,
wir ja eigentlich auch. Dort oben konnte man den Verlauf der Betonbänder
logischerweise viel deutlicher erkennen. Außerdem hatten wir einen herrlichen
Ausblick, markierte Sichtachsen lenkten den Blick in Richtung Petersberg,
Kyffhäuser und Brocken.
Für den Rückweg zum Parkplatz wählten wir einen Pfad durch
den Wald, der von einigen Caches gesäumt war. Sie gehören zu einer Serie Namens
„Sterne, Mond und Schätze“ und verkürzten uns den Weg auf unterhaltsame
Cacherart. Ein kleines Picknick beendete das Osterwochenende in Nebra.

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