Geocaching bildet

Geocaching führt uns an Orte, die wir ohne dieses Hobby nie
entdeckt hätten. So geschah es auch während unserer Cacherunde durch Halles
südöstliche Randgebiete.

Cachen an der Saale-Elster-Talbrücke

Das Gebiet wird ja, unübersehbar, von der derzeit längsten
Eisenbahnbrücke Deutschlands überspannt. Auf einer Länge von rund acht
Kilometern überspannt die Saale-Elster-Tal-Brücke die Auen von Saale und Weißer
Elster. Bald sollen, in bis zu zwanzig Metern Höhe, über diesen Flutgebieten
ICE Züge rasen. Der Brückenbau ruht auf 216 Pfeilern, klar das ein solches
Bauwerk die Aufmerksamkeit der Geocacher erlangt. 

Im Bereich „Überleitstelle
Osendorf“, man könnte auch Weiche schreiben, liegt also eine Dose versteckt. So
lenkten wir unsere Cachermobile dorthin, holperten über, von Baufahrzeugen
ramponiertes Gelände direkt unter der Brücke entlang. Warum einfach, wenn es
auch kompliziert geht, dachte ich als wir bei den Zielkoordinaten auf eine
komfortable Asphaltstraße stießen. Aber gut, jetzt war die Dosensuche wichtig. Koordinaten
sagen ja nichts über die Höhe aus, in der der Cache liegt, so kletterten wir,
soweit es grad noch sicher war, den Abhang rauf und runter. Nur durch Androhen
von Strafe lies sich Schatzi davon abhalten, im Gleisbett zu suchen. Letztlich
fanden wir das Objekt unserer Begierde an seriös versteckter Stelle.

Ein Mausoleum im Garten

Ein zweites Kuriosum jenes Tages nennt der Owner „Spuren der
Sinti in Halle – das Grabmal“. Spannend, dieser Titel, was mag es damit auf
sich haben. Die Dose liegt, so schreibt er, in der Nähe eines Mausoleums, darin
ruhen die Gebeine eines von Sinti verehrten Rechtssprechers. Diese kleine denkmalgeschützte
Leichenhalle ist wohl das einzige Gebäude, das Sinti in Mitteldeutschland
erbaut haben. Da wo sie steht, ist heute Privatgelände, über den Gartenzaun
hinweg kann man das Häuschen betrachten. Neugierig hab ich den mitgelieferten Link angeklickt und verblüffendes erfahren.
 http://www.osendorf.de/geschichten.htm
Von Sinti erbautes Mausoleum in Halle(Saale) – Osendorf
Dort, wo heute ein Park mit Spielplatz angelegt ist,
existierte einmal ein Friedhof. Diesen Platz hatte sich besagter Rechtssprecher
und Sinti-Stammesführer Josef Weinlich, mit Zigeunernamen „Nauni“, für seine
letzte Ruhe gewünscht. Der Österreicher überwinterte oft mit seinem Stamm in Osendorf,
starb dort 1915 und wurde in dem kleinen Mausoleum bestattet. Neben ihm ruhen,
in weißen Kindersärgen, zwei seiner Enkel.
Detailliert ist die ganze Geschichte auf der oben genannten
Webseite beschrieben. Das Ganze ist ja noch nicht so lange her und ohne diesen
Cache hätte ich vielleicht nie von diesem Stück Ortsgeschichte erfahren. Wer
immer sich in diesen abgelegenen Park verirrt, wird kaum die Sinti-Grabstätte
kaum beachten. Kein Hinweisschild, keine Gedenktafel, nur ein Geocacher macht
darauf aufmerksam. Geocaching bildet.

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