Unterwegs auf dem Grund des Meeres – Wandern zur Insel

Mein Blog ist heute bei der Blogparade, von Hinnerk Weiler und seinem Segel-Blounterwegs, die er anlässlich des Weltozeantages, dem 8. Juni veranstaltet.
Bei diesem Thema fühle ich mich sofort an den letzten Sommer
erinnert, speziell an die schönen Urlaubstage in Ostfriesland. Ich bin ja
begeisterter Bergwanderer, so schön die ostfriesische Küste auch ist, dort
fehlen einfach Berge. So ganz aufs Wandern wollte ich jedoch nicht verzichten,
wenn schon Urlaub an der Nordsee, dann auch Wattwandern. Allerdings wollte ich
nicht einfach am Meeresrand entlang stapfen, vom Festland zur nächstmöglichen
Insel sollte es gehen.
Die rund vier Kilometer Wattenmeer zwischen der Nordseeinsel
und dem Festland sind, Ebbe vorausgesetzt, ein toller Spaziergang. Vernünftig
wie ich bin, ging ich diesen Weg nicht allein, sondern schloss mich einem sehr
erfahrenen Wattführer an. Er nahm mich mit, weil ich nicht herzkrank bin, mein
Übergewicht nicht dramatisch ist und ich den geforderten Obolus bezahlte.

An diesem schönen Tag, angenehme Temperaturen, Sonne, wenig
Wind, sammelten sich viele Wattwanderer im Hafen von Neßmersiel. Ausreichend
Führer standen bereit, stellten optimalgroße Gruppen zusammen und gingen voran.
Das Wasser zog sich pünktlich zur Ebbezeit zurück, wir liefen nach. Zunächst
ging es im Gänsemarsch durch die Salzwiesen, die ja nicht bei jeder Flut unter
Wasser stehen, knackiger, salzig schmeckender Queller wächst dort.

Dann betraten wir den Meeresboden, auf den ersten 1000
Metern machte der dicke Schlick das Laufen schwer. Nach der Springflut im
Herbst wird der Schlick wohl weckgespült sein und 2014 haben die Wattwanderer einen
bequemeren Weg. Am schwierigsten war es für die Turnschuhträger (der Wattführer
hatte extra von dieser Fußbekleidung abgeraten). Mit meinen eng anliegenden
Neoprenschuhen kam ich viel besser voran. Einige Mitläufer sind ganz ohne Schuhe,
nur mit dicken Socken gegangen, ganz barfuß geht gar nicht, bei all den
scharfkantigen Muschelschalen am Boden.
Spannend, auf seine ostfriesische Art, erzählte der Anführer
von den Gefahren im Watt, von verirrten Seeleuten und Wanderern, die von der
einsetzenden Flut überrascht wurden und ertranken. Er zeigte uns auch, was da
alles auf dem Meeresboden lebt, sich bei Ebbe rechtzeitig verbirgt oder
Vogelfutter wird. Wir liefen über die Häufchen des Wattwurmes, wateten durch
knietiefe Priele, fanden Muschel und Pazifische Austern. Hinter uns sahen wir
noch das Festland, vorn tauchten die Häuser von Baltrum auf, dazwischen wir,
mitten auf dem Meeresgrund, wo zwei Stunden später meter hohe Wellen anrollen werden.
Faszination Meer!

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